Segeln und Navigation
Türkische Seemannssprache an Bord: Vira, Funda und Co.

Keine Stunde nach dem Ablegen in Göcek ruft der Kapitän so etwas wie „Vira demir!“ — und die Crew setzt sich in Bewegung. Die türkische Seemannssprache ist alt, laut und herrlich konsequent; vieles stammt aus dem Mittelmeer-Italienisch vergangener Jahrhunderte. Man braucht davon nichts, um einen Charter zu genießen. Aber wer eine Handvoll Wörter kennt, hat am Borddasein schlicht mehr Freude.
Hier unser kleines Glossar: die türkischen Begriffe, die Sie an Bord wirklich hören — samt deutscher Entsprechung.
Vira und funda: die zwei Ankerkommandos
Vira heißt „hieven, aufholen“ — „vira demir“ ist der Befehl zum Ankerlichten, also das Signal zum Aufbruch. An Land sagen Türken „vira Bismillah“ im Sinn von „also los!“. Funda ist das Gegenteil: „fallen lassen“. Mit „funda demir“ fällt der Anker — das Boot richtet sich für die Nacht ein. Abfahrt und Ankunft in zwei Wörtern.
Richtungen: iskele, sancak, pruva, pupa
Sancak ist Steuerbord, iskele Backbord — nachts mit denselben grünen und roten Lichtern wie überall auf der Welt. Pruva bezeichnet den Bug und die Richtung voraus, pupa das Heck — „pupa yelken“, mit raumem Wind segeln, ist im Türkischen das Bild für müheloses Vorankommen. Die breiteste Stelle des Rumpfs heißt kemere.
Ankern und Festmachen
Marina braucht keine Übersetzung, koy ist die Bucht. Demir taramak — „der Anker slippt“ — ist der eine Ausdruck, den kein Kapitän um drei Uhr nachts sagen möchte. Fender heißen usturmaça, Leinen halat, und kıçtankara ist das klassische Göcek-Manöver: mit dem Heck zum Ufer, lange Landleine um eine Pinie, Anker voraus. Wer einmal von einem kıçtankara vertäuten Boot in einer stillen Bucht geschwommen ist, versteht diese Küste.
Blaue Reise und Distanzen
Mavi yolculuk — die „Blaue Reise“ — ist der türkische Name für den Törnurlaub von Bucht zu Bucht. Distanzen werden in Seemeilen gemessen (deniz mili, 1.852 m), die Geschwindigkeit in Knoten, die rota ist die Route. Falls Sie noch überlegen, mit welchem Boot Sie sie fahren: Unser Ratgeber zu den Bootstypen vergleicht Gulet, Segelyacht, Motoryacht und Katamaran.
Die Crew
Der kaptan führt das Boot und trifft die Entscheidungen; der gemici (Decksmann) übernimmt Leinen, Anker und Anlegemanöver; auf größeren Gulets kommt der aşçı dazu — der Koch, meist der beliebteste Mensch an Bord. Und welche Lizenz türkische Skipper haben oder was Sie selbst für Bareboat bräuchten, steht in unserem Ratgeber zum türkischen Bootsführerschein.
Zehn Kommandos, die wirklich fallen
1) „Vira demir“ — Anker auf, es geht los. 2) „Funda demir“ — Anker fallen lassen. 3) „İskeleye / sancağa yanaşıyoruz“ — wir legen backbord / steuerbord an. 4) „Usturmaçaları sarkıt“ — Fender raus. 5) „Halatı mola et“ — Leine loswerfen. 6) „Halatı vira et“ — Leine einholen. 7) „Aganta“ — so halten. 8) „Alesta“ — klarmachen, bereithalten. 9) „Neta“ — aufgeklart, ordentlich. 10) „Orsa / pupa gidiyoruz“ — wir segeln hoch am Wind / vor dem Wind. Gäste, die diese zehn kennen, ernten die ganze Woche Grinsen von der Crew.
Das beste Klassenzimmer bleibt natürlich ein Deck: Bei einem Charter mit Crew in Göcek hören Sie jedes dieser Wörter in freier Wildbahn — und rufen am dritten Tag selbst „vira“.